Madeira ohne Mietwagen: Geht das?

Fast alle, mit denen ich vor der Reise gesprochen habe, sagten dasselbe: Auf Madeira braucht man ein Auto. Nach neun Tagen im März verstehe ich, warum dieser Rat so oft kommt.
Ich habe trotzdem keinen Mietwagen genommen. Für mich allein wäre er ziemlich teuer geworden, und auf die Serpentinen hatte ich keine Lust, wenn die Wolken tief über den Bergen hingen.
Ich erzähle dir, was von Funchal aus mit Bus, Seilbahn und zu Fuß gut ging, was Geduld brauchte und worauf ich verzichten musste.
Was ohne Auto gut ging
Funchal ist ein guter Ausgangspunkt, wenn du akzeptierst, dass der Fahrplan den Tag bestimmt. Im Zentrum bin ich viel zu Fuß gegangen und habe erst dann den Bus genommen, als mich die Höhenunterschiede zu viel Zeit kosteten. Eine einfache Fahrt mit dem Überlandbus kostete etwa 2,50 bis 3 Euro, und meistens habe ich das Ticket im Bus gekauft. Nach Curral das Freiras bin ich mit der Linie 181 gefahren, früher die 81. Unter der Woche fahren viele Busse, mittags oft etwa einer pro Stunde, auch wenn die Lücken manchmal größer sind. Ich habe mit ungefähr einer Stunde ab Funchal gerechnet, je nach Streckenvariante und Verkehr.
Für meine Wanderung an einer Levada, einem der alten Bewässerungskanäle der Insel, habe ich den Bus Richtung Ribeiro Frio genommen. Die Linie, die früher 56 hieß, fährt heute als 801 zwischen Funchal und Santana. Mein Bus fuhr gegen zehn nach acht, und etwa 40 Minuten später war ich da. Dort bin ich den Wanderweg PR11 Vereda dos Balcões gegangen, der ein Stück an der Levada da Serra do Faial entlangführt. Der Weg selbst ist 1,5 Kilometer lang, hin und zurück also 3 Kilometer. Das hat die Busplanung einfach gemacht, weil ich zur selben Haltestelle zurückkonnte, statt auf der anderen Seite der Berge einem Anschluss hinterherzujagen.
An der Südküste ging es auch gut. Nach Câmara de Lobos bin ich mit dem Bus Richtung Westen gefahren und dann einen Teil der Strecke am Meer entlang zurückgelaufen. Der Weg zwischen Ponta da Cruz und Câmara de Lobos ist 2,2 Kilometer lang. Ab dem Lido wird daraus eine längere, aber immer noch leichte Halbtagestour zu Fuß. An einem anderen Tag habe ich den Bus nach Ponta do Sol genommen. Die Linien 320 und 321 fahren über die Schnellstraße zwischen Funchal und Ponta do Sol, und ich habe mit etwa 50 Minuten pro Richtung gerechnet. Dort habe ich zu Mittag gegessen, unten am Wasser fotografiert und bin mit dem Bus zurückgefahren, bevor nachmittags weniger Busse fuhren.
Und die Seilbahn hinauf nach Monte hat sich tatsächlich als Verkehrsmittel gelohnt, nicht nur wegen der Aussicht. Die Fahrt dauert etwa 15 Minuten und erspart dir einen ordentlichen Anstieg aus dem Zentrum von Funchal. Ich bin hochgefahren, habe mich in Monte umgesehen und bin in Ruhe zu Fuß wieder hinuntergelaufen. An so einem Tag hätte ein Mietwagen ohnehin nur auf dem Parkplatz gestanden.
Was kompliziert wurde
Schwierig wurde es, sobald ich zwei Dinge an einem Tag verbinden wollte. Von Funchal zu einem Ort und zurück klappt es mit den Bussen ganz gut, aber Fahrten zwischen den Orten musst du genauer planen. Verpasst du einen Bus, kommt der nächste vielleicht erst in 60 oder 90 Minuten. Ich habe schnell gelernt, mir den Bus zurück herauszusuchen, bevor ich losfahre, und nicht erst, wenn der Kaffee schon auf dem Tisch steht.
Der PR10 Levada do Furado war so ein Fall. Der Weg führt 11 Kilometer von Ribeiro Frio nach Portela und dauert etwa fünf Stunden. Ich hatte ihn mir notiert, aber auf der Rückfahrt ab Portela hätte ich umsteigen müssen. Schon eine Verspätung hätte den ganzen Tag durcheinandergebracht. Also bin ich stattdessen den kürzeren Weg bei Balcões gegangen. Genauso war es mit Seixal und Porto Moniz an einem Tag. Auf dem Papier ging das, aber ich wollte nicht einen großen Teil eines Märztages in Bussen und an Haltestellen verbringen.
Manches habe ich auch einfach gestrichen. Mit dem Bus wäre ich damals nicht früh genug am Pico do Arieiro gewesen. Ein Taxi hätte einen großen Teil dessen aufgefressen, was ich ohne Mietwagen gespart hatte. Ohne Auto musst du manchmal ganz auf einen Ort verzichten, statt nur die Uhrzeit zu ändern.
Der Regentag
An einem Tag waren die Berge schon vor dem Frühstück ganz in den Wolken verschwunden. Eigentlich wollte ich in den Norden, bin dann aber in Funchal geblieben, und das war die richtige Entscheidung. Um 9:30 Uhr bin ich durch den Mercado dos Lavradores gegangen, die Markthalle von Funchal, und an der Fischhalle und den Obstständen länger hängen geblieben als geplant.
Danach bin ich durch die Zona Velha gelaufen, die Altstadt, habe ohne Reservierung lange in einem kleinen Restaurant zu Mittag gegessen und zwei heftige Schauer abgewartet. Am Nachmittag bin ich am Hafen entlangspaziert. Madeira ohne Auto funktioniert deutlich besser, wenn du das Wetter entscheiden lassen kannst und nicht das Gefühl hast, einen bezahlten Mietwagen auch nutzen zu müssen.
Für wen es nichts ist
Wenn du mehrere Wanderungen mit unterschiedlichem Start und Ziel machen, den Sonnenaufgang in den Bergen sehen oder unterwegs an kleinen Aussichtspunkten anhalten willst, nimm einen Mietwagen. Das gilt auch, wenn du mit kleinen Kindern oder viel Gepäck reist oder flexibel bleiben musst. Die Busse bringen dich zu vielen Orten, aber zwischen den Orten bist du längst nicht so frei.
Und wenn du nur vier Tage auf Madeira hast, würde ich auch anders planen. In neun Tagen konnte ich mal eine Stunde mit Warten verlieren, ohne dass gleich die ganze Reise ins Wanken geriet. Wenn deine Zeit knapp ist, kostet dich jede lange Lücke im Fahrplan mehr als der Mietwagen selbst.
Gut zu wissen
- Direktflüge ab Hamburg das ganze Jahr, rund viereinhalb Stunden
- Vor jedem Ausflug prüfen, wann der letzte Bus zurückfährt
- Einfache Fahrt im Überlandbus rund 2,50 bis 3 €
- Linie 181 zwischen Funchal und Curral das Freiras
- Linie 801 ist die frühere 56 nach Santana über Ribeiro Frio
- Zeitpuffer, wenn Wetter und Straßen den Fahrplan durcheinanderbringen
- Pro Ausflugstag lieber einen Ort als mehrere Stopps
Geht Madeira also ohne Mietwagen? Für mich ja, mit Funchal als Ausgangspunkt und neun Tagen Zeit. Ich habe Orte an der Küste gesehen, bin an einer Levada entlanggewandert, bin hoch in die Berge gekommen und musste an keinem einzigen Abend einen Parkplatz suchen. Aber ein paar Orte sind auch in meinem Notizbuch geblieben, und damit musste ich leben. Am letzten Abend vor dem Rückflug nach Hamburg fand ich in der Jackentasche noch einen gefalteten Busfahrschein, zusammen mit einem feuchten Zettel vom Markt am Regentag.


