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5 Orte in Deutschland, die aussehen wie im Ausland

Der Obersee beim Königssee mit klarem, grünem Wasser, einem hölzernen Bootshaus und steilen Bergwänden

Für Grachten musst du nicht nach Amsterdam, für weiße Kreideklippen nicht nach Südengland und für einen Fjord nicht nach Norwegen.

Hinter zwei der Orte stecken Zugezogene, die ein Stück ihrer Heimat nachgebaut haben. Bei den anderen entscheidet oft die Uhrzeit, ob es nach Ausland aussieht oder nach Reisebus.

Hier sind fünf Orte, bei denen ich auf den ersten Blick auf ein anderes Land getippt hätte. Sie sind von Hamburg aus von nah nach fern sortiert, jeweils mit Anreise, Kosten und dem, was du vorher wissen solltest. Preise, Fahrzeiten und Sperrungen: Stand Oktober 2026.

1. Friedrichstadt: Holland an der Eider

Weiße Häuser mit Treppengiebeln am Markt von Friedrichstadt, davor eine Gracht mit Steinbrücke und einer Trauerweide
Foto: Whgler, CC BY-SA 4.0

Friedrichstadt sieht aus wie ein Städtchen in Nordholland. Herzog Friedrich III. von Gottorf hat es 1621 gegründet und dafür Glaubensflüchtlinge aus den Niederlanden angeworben. Die bauten wie zu Hause: Grachten, Treppengiebel, Backstein.

Am Markt stehen noch neun Treppengiebel in einer Reihe, und durch die Altstadt fahren Grachtenboote. Die Runde dauert eine Stunde und kostet für Erwachsene 12,50 Euro, bei Schietwetter sind Boote mit Dach unterwegs.

Ab Hamburg-Altona fährt jede Stunde ein Regionalexpress Richtung Sylt, der nach knapp zwei Stunden in Friedrichstadt hält. Mit dem Deutschlandticket kostet die Fahrt nichts extra.

Für die Altstadt reicht ein halber Tag. Die Boote fahren allerdings nur von April bis Oktober. Auf meiner Liste steht noch die Kirche der Remonstranten, deren Gemeinde die einzige ihrer Art außerhalb der Niederlande ist.

Wo: Friedrichstadt in Nordfriesland, zwischen Eider und Treene

Gut für: einen Tagesausflug mit dem Zug, auch bei Regen

2. Rügen: Kreidefelsen wie in Südengland

Blick vom Hochuferweg auf weiße Kreidefelsen und Buchenwald im Herbstlaub an der Ostseeküste im Nationalpark Jasmund
Foto: Jennifer Adam, CC BY-SA 3.0

Weiße Kreide, oben Buchenwald, unten hellgrünes Wasser: Ohne Ortsangabe hätte ich bei diesem Bild auf Südengland getippt. Sogar das bekannteste Gemälde dieser Küste ist im Ausland: Caspar David Friedrichs „Kreidefelsen auf Rügen“ von etwa 1818 hängt in Winterthur in der Schweiz.

Mit dem ICE Richtung Binz und einmal Umsteigen in Bergen bist du ab Hamburg Hbf in knapp vier Stunden in Sassnitz. Von dort führt der Hochuferweg rund 10 Kilometer an der Küste entlang zum Königsstuhl, mit Pausen sind das drei bis vier Stunden. Am schönsten finde ich ihn im Herbst, wenn die Buchen gelb werden.

Das Nationalpark-Zentrum am Königsstuhl kostet 14 Euro Eintritt, inklusive Skywalk über dem Felsen. Den schöneren Blick hast du kurz davor an der Victoriasicht, und die kostet nichts. Zurück nach Sassnitz fährt der Bus 23. Mit dem Auto parkst du in Hagen und nimmst den Shuttlebus.

Bleib vom Rand weg. An dieser Küste brechen immer wieder Stücke ab, vor allem nach langem Regen.

Wo: Nationalpark Jasmund bei Sassnitz auf Rügen

Gut für: eine lange Wanderung und weiße Klippen im Herbstlaub

3. Düsseldorf: Japan am Rhein

Teich mit Felsen, eine steinerne Pagode und in Form geschnittene Kiefern im Japanischen Garten im Nordpark in Düsseldorf
Foto: Catatine, CC BY-SA 3.0

Seit den 1950er-Jahren siedeln sich japanische Firmen in Düsseldorf an, heute leben hier mehrere Tausend Menschen aus Japan. Mit dem ICE bist du ab Hamburg in gut dreieinhalb Stunden da. Am Hauptbahnhof beginnt die Immermannstraße mit japanischen Supermärkten, Buchläden und Ramen-Läden, in denen es japanische Nudelsuppe gibt. Seit Ende 2021 hängen dort auch Straßenschilder auf Japanisch.

Vor den Ramen-Läden stehen mittags und am Wochenende Schlangen. Die Straße selbst sieht aber aus wie jede andere Einkaufsstraße, und wer ein Viertel wie in Tokio erwartet, wird enttäuscht.

Nach Japan sieht es erst in den Gärten aus. Den Japanischen Garten im Nordpark hat die japanische Gemeinde 1975 angelegt, der Eintritt ist frei. Am EKŌ-Haus in Niederkassel stehen ein buddhistischer Tempel und ein Glockenturm. Den Garten davor kannst du kostenlos besuchen, den Tempel dienstags bis samstags nachmittags für 5 Euro, nur in bar.

Für Fotos auf dem Gelände brauchst du eine Genehmigung des Hauses, ohne sie bleibt die Kamera in der Tasche.

Wo: Immermannstraße, Nordpark und Niederkassel in Düsseldorf

Gut für: Ramen am Mittag und einen ruhigen Nachmittag im Garten

4. Sächsische Schweiz: Das Ausland steht schon im Namen

Die Felsnadel Wehlnadel vor den Sandsteinfelsen der Bastei mit der Basteibrücke, dahinter der Lilienstein im Dunst
Foto: Robert Ahner, CC BY-SA 4.0

Den Namen verdankt die Gegend zwei Schweizer Malern, Adrian Zingg und Anton Graff. Sie kamen 1766 an die Kunstakademie in Dresden und fühlten sich in den Felsen über der Elbe an den Schweizer Jura erinnert.

Den Jura kenne ich nicht. Mich erinnern die Felsnadeln an der Bastei eher an ein chinesisches Tuschebild, vor allem an Herbstmorgen, wenn unten Nebel über der Elbe liegt.

Die Züge von Hamburg nach Prag halten nach gut vier Stunden in Bad Schandau. Von dort fährst du zehn Minuten mit der S-Bahn zurück nach Kurort Rathen und setzt für 1,50 Euro mit der Fähre über die Elbe. Das Deutschlandticket gilt auf der Fähre nicht. Danach steigst du eine gute halbe Stunde Stufen hinauf.

Die Bastei und die Basteibrücke von 1851 kannst du kostenlos besuchen. Die Felsenburg Neurathen ist allerdings bis auf Weiteres gesperrt. Die Bastei gehört zu den meistbesuchten Orten im Nationalpark, früh am Morgen ist es oben am ruhigsten. Parkplätze sind knapp, und nach Stürmen sperrt der Nationalpark immer wieder einzelne Wege.

Wo: Bastei bei Rathen im Elbsandsteingebirge

Gut für: Morgennebel, Sandsteinfelsen und Beine, die Stufen mögen

5. Königssee: ein Fjord in Bayern

Der Obersee beim Königssee mit klarem, grünem Wasser, einem hölzernen Bootshaus und steilen Bergwänden
Foto: Diego Delso, delso.photo, CC BY-SA 4.0

Selbst die Schifffahrt am Königssee schreibt, er liege da „wie ein Fjord“. Der See ist 8 Kilometer lang, bis zu 192 Meter tief und links und rechts von steilen Felswänden eingefasst.

Ohne Auto kommst du am besten mit dem Nachtzug Richtung Wien hin, der derzeit über Salzburg fährt: ab Hamburg Hbf um 20:10 Uhr, an Salzburg kurz vor sieben. Von dort bringt dich der Bus 840 in gut einer Stunde bis an den See.

Die Boote fahren seit 1909 elektrisch, deshalb hörst du fast nur das Wasser. Vor einer Felswand spielt der Bootsführer ein paar Töne auf der Trompete, und das Echo antwortet. Bis zur Kirche St. Bartholomä mit ihren roten Zwiebeltürmen sind es 35 Minuten, hin und zurück kostet das 23,40 Euro.

Am meisten nach Norwegen sieht es für mich am Obersee aus, 15 Minuten zu Fuß von der Anlegestelle Salet. Bis Salet fahren die Boote nur von Ende April bis Mitte Oktober, hin und zurück für 29,80 Euro. Mit dem Auto zahlst du am großen Parkplatz 9 Euro für 24 Stunden.

Der Haken: Von Juli bis Mitte September stehst du an schönen Tagen lange an. Fahr vor zehn hin und spätestens um halb drei zurück. Am liebsten würde ich Ende September fahren. Dann ist es leerer, und bei gutem Fang gibt es in St. Bartholomä Schwarzreiter: kleine Saiblinge aus dem See, an Holzspießen geräuchert.

Wo: Schönau am Königssee im Berchtesgadener Land

Gut für: eine frühe Bootsfahrt und glasklares Wasser

Wohin würdest du fahren?

Müsste ich mich für einen der fünf Orte entscheiden, wäre es Friedrichstadt, am liebsten bei Regen. Am Königssee ist die Landschaft eindrucksvoller, aber Friedrichstadt schaffst du als Tagesausflug ab Hamburg. Und bei Schietwetter sitzt du unter dem Bootsdach, während der Kapitän sein Seemannsgarn erzählt.

Welchen der fünf Orte würdest du dir als Erstes ansehen?