Krakau oder Prag? So entscheidest du dich

Die Tuchhallen auf dem Rynek Główny in Krakau, im Hintergrund die Türme der Marienkirche

Wenn es um ein günstiges langes Wochenende in Mitteleuropa geht, werden Krakau und Prag oft in einen Topf geworfen. Beide haben eine Altstadt, Straßenbahnen, Bier und viele Cafés, und das meiste erreichst du zu Fuß.

Ich habe aber im Oktober drei Wochen von Krakau aus gearbeitet und im April zwei Wochen von Prag aus. Seitdem finde ich, dass sich die beiden Städte stärker unterscheiden, als es auf den ersten Blick scheint. Von der Wahl hängt ab, was dich ein Tag kostet, in welchem Tempo du reist und wie viel Zeit für die Wege durch die Stadt draufgeht.

Ich vergleiche Krakau und Prag in fünf Punkten: Preise, Größe und Wege, Essen und Cafés, Tagesausflüge sowie das Gedränge.

Preise

Bei Essen und Kaffee nehmen sich die beiden Städte nicht viel. In Krakau kostet ein einfaches Essen im Restaurant oft 45 bis 50 Złoty, also rund 10 bis 12 Euro, und ein Cappuccino 15 bis 17 Złoty. Ich konnte im Café arbeiten, mittags essen gehen und meine Ausgaben trotzdem im Rahmen halten.

Auch in Prag kommst du mit wenig Geld gut durch. Ein einfaches Essen kostet etwa 230 bis 250 tschechische Kronen, umgerechnet 9 bis 10 Euro, und ein Kaffee rund 80 Kronen. Der Nahverkehr ist ebenfalls günstig: Ein 30-Minuten-Ticket kostet in der App 36 Kronen, ein 24-Stunden-Ticket 140 Kronen.

Beim Nahverkehr ist Krakau trotzdem etwas günstiger. Ein 15-Minuten-Ticket kostet dort 4 Złoty und ein 24-Stunden-Ticket für die Zone I 20 Złoty, also knapp 5 Euro gegenüber knapp 6 Euro in Prag (Stand der Fahrpreise: Mai 2026). Auf eine Woche gerechnet kommen da ein paar Euro zusammen. An einem Wochenende spielt es kaum eine Rolle, vor allem wenn die Unterkunft schon gebucht ist.

Größe und Wege

In Krakau findest du dich vom ersten Tag an leichter zurecht. Vom Rynek Główny, dem großen Marktplatz der Altstadt, bis zum Plac Nowy in Kazimierz sind es etwa 1,5 Kilometer, also rund 20 Minuten zu Fuß in normalem Tempo. Und selbst bis Podgórze auf der anderen Seite der Weichsel kannst du meistens noch gut laufen.

Die Straßenbahn habe ich vor allem genommen, wenn ich weiter weg musste oder zwischen zwei Arbeitsblöcken Zeit sparen wollte. Die Linie 3 hält unter anderem an den Haltestellen Starowiślna und Poczta Główna. Damit kommst du gut zwischen Kazimierz und dem Zentrum hin und her.

In Prag kannst du auch viel laufen, aber die Stadt ist weitläufiger. Vom Altstädter Ring bis Malá Strana, der Kleinseite unterhalb der Burg, sind es etwa 15 bis 20 Minuten zu Fuß, nach Vinohrady eher 20 bis 25 Minuten von der Altstadt aus. Dazu kommen die Steigungen in Malá Strana und Hradčany, dem Burgviertel. Dafür funktioniert der Nahverkehr in Prag besser. Die Straßenbahn 22 hält unter anderem am Náměstí Míru, am Malostranské náměstí und an der Haltestelle Pražský hrad bei der Burg. Für mich ist Prag also die größere Stadt, aber mit Bus und Bahn kommst du gut herum.

Essen und Cafés

Hier ist es ausgeglichener. Krakau hat mir mehr fürs Geld geboten, vor allem rund um Kazimierz und in den Straßen abseits des Rynek Główny. Ein Mittagessen für 40 bis 50 Złoty habe ich dort gefunden, ohne lange suchen zu müssen.

Zum Arbeiten taugten die Cafés auch. Ich saß oft in Kazimierz, und dort kannst du ohne lange Wege zwischen dem Plac Nowy, ruhigeren Seitenstraßen und der Gegend Richtung Weichsel wechseln. Das passt besser zu meiner Art zu reisen, als quer durch die Stadt einem bestimmten Café hinterherzulaufen.

Dafür unterscheiden sich die Prager Viertel stärker voneinander. In Vinohrady, Žižkov und Karlín sieht es jeweils ganz anders aus, und in den zwei Wochen ist mir die Auswahl an Cafés und Lokalen nie ausgegangen. Krakau gewinnt, wenn es einfach sein soll, Prag, wenn du gern zwischen mehreren Vierteln wechselst.

Tagesausflüge

Von Krakau aus hast du zwei große Ausflugsziele bequem in Reichweite. Vom Hauptbahnhof Kraków Główny fährt der Zug in etwa 25 Minuten nach Wieliczka, und der Bahnhof Wieliczka Rynek-Kopalnia ist nicht weit vom Salzbergwerk. Nach Oświęcim fahren direkte Züge, und der Eingang der Gedenkstätte am ehemaligen Stammlager Auschwitz I liegt etwa 2 Kilometer vom Bahnhof entfernt.

Beide Ausflüge füllen schnell einen halben oder ganzen Tag, aber Auschwitz-Birkenau besuchst du natürlich nicht wie eine Sehenswürdigkeit. Ich würde mir dafür viel Zeit nehmen und direkt danach nichts Unbeschwertes einplanen.

Bleibst du eine Woche, hast du von Prag aus mehr Auswahl. Nach Kutná Hora brauchst du vom Prager Hauptbahnhof mit dem Zug etwa eine Stunde, nach Karlštejn rund 40 Minuten. In Karlštejn kommt vom Bahnhof noch ein Fußweg hinauf zur Burg dazu. Bei drei Nächten hat Krakau meiner Meinung nach auch ohne Ausflug genug zu bieten, aber bei sechs oder sieben Nächten gewinnt Prag diesen Punkt, weil du mehr einfache Abstecher machen kannst.

Gedränge

Für mich ist das der größte praktische Unterschied. In Prag war der Weg vom Altstädter Ring über die Karlsbrücke nach Malá Strana im April schon mittags voll. Durch kommst du, aber wie schnell, bestimmt oft die Reisegruppe vor dir.

Krakau hat dasselbe Problem rund um den Rynek Główny und den Wawel, vor allem mittags. Aber wenn ich Richtung Kazimierz oder über die Weichsel nach Podgórze ging, ließ der Andrang schneller nach als in Prag. Im Oktober war ich nach 10 bis 15 Minuten zu Fuß meistens schon in ruhigeren Straßen.

Wenn es dich nervt, im Pulk mit den anderen Touristen mitzulaufen, würde ich an deiner Stelle Krakau nehmen. In Prag kannst du dem Gedränge auch ausweichen, musst dafür aber öfter die Uhrzeit oder den Weg ändern.

PunktKrakauPrag
PreiseMittagessen 40–50 zł, 24-Stunden-Ticket 20 złMittagessen ca. 240 Kč, 24-Stunden-Ticket 140 Kč
Größe und WegeKompakt, vieles zu FußGrößer, besserer Nahverkehr
Essen und CafésPreiswert und unkompliziertMehr Abwechslung
TagesausflügeWieliczka, OświęcimKutná Hora, Karlštejn
GedrängeLeichter auszuweichenVollere Touristenrouten

Mein Urteil

Für ein langes Wochenende nehme ich Krakau. Die Stadt ist kompakter, und du kommst auch ohne Plan gut zurecht. Bei drei oder vier Tagen bleibt dir dank der kurzen Wege mehr Zeit für das, weswegen du eigentlich hingefahren bist. Von Hamburg aus hat Prag bei der Anreise allerdings die Nase vorn. Vom Hauptbahnhof fahren Züge in rund sechs Stunden ohne Umsteigen hin, nach Krakau gibt es derzeit weder einen durchgehenden Zug noch einen Direktflug.

Für eine Woche wird es knapper. Dann passt Prag meiner Meinung nach besser, wenn du gern das Viertel wechselst, nichts gegen Bus und Bahn hast und einen Tagesausflug einbauen willst. Vinohrady am Morgen und Malá Strana am Abend fühlen sich an wie zwei verschiedene Teile der Reise, obwohl die Linie 22 beide verbindet.

Mein eigener Favorit bleibt trotzdem Krakau. Ich mochte es, den Laptop zuzuklappen, 20 Minuten zu laufen und ganz woanders zu landen, ohne auch nur einmal auf einen Fahrplan zu schauen. Und nach drei Wochen hatte ich immer noch dieselbe kleine Angewohnheit: einen zusätzlichen Kaffee in Kazimierz, der in meiner Tabelle nicht vorkam.